Definition

Seit dem 1. Januar 2017 wird ein neuer Pflegebedürftigkeitsbegriff angewendet, der sich an den gesundheitlich bedingten Beeinträchtigungen der Selbständigkeit und der Fähigkeiten eines Menschen bei der Bewältigung seines Alltags orientiert. Der Grad der Pflegebedürftigkeit wird mit dem neuen Begutachtungsassessment (NBA) gemessen. Dabei wird der Grad der Selbstständigkeit einer Person bei Aktivitäten in insgesamt sechs pflegerelevanten Bereichen erfasst. Der neue Pflegebedürftigkeitsbegriff sieht eine weitere Ausdifferenzierung von bisher drei Pflegestufen auf fünf Pflegegrade vor. Die Leistungen der sozialen Pflegeversicherung sollen dem Pflegebedürftigen dem Grundsatz nach helfen, trotz seines Hilfebedarfs ein möglichst selbstständiges und selbstbestimmtes Leben zu führen, so dass die Pflegebedürftigen möglichst lange in ihrer häuslichen Umgebung bleiben können (vgl. § 3 SGB XI). Die Pflegeversicherung soll mit ihren Leistungen vorrangig die häusliche Pflege und die Pflegebereitschaft der Angehörigen und des weiteren sozialen Umfelds unterstützen.

Produkte wie Bewegungsmelder und handelsübliche Telefone (hierzu zählen auch Komforttelefone mit sogenannten Seniorentasten oder Seniorenhandys) sind den Gebrauchsgegenstände des täglichen Lebens zuzuordnen und fallen nicht in die Leistungspflicht der Sozialen Pflegeversicherung. Auch Tablettenspender mit Erinnerungsfunktion fallen nicht in die Leistungspflicht der Sozialen Pflegeversicherung, da die Erinnerungsfunktion auch auf herkömmliche Art und Weise sichergestellt werden kann (z. B. mit einen Wecker). Produkte wie Herdsicherungen und Rauchmelder sind Maßnahmen zur Gefahrenabwehr und fallen weder in den Leistungsbereich der Gesetzlichen Krankenversicherung noch der Sozialen Pflegeversicherung. Mobile Ortungssysteme (sog. GPS-Ortungssysteme) tragen nicht zur besseren Orientierung des Pflegebedürftigen bei, sondern dienen der Fernüberwachung des Pflegebedürftigen. Die Beaufsichtigung durch eine räumlich nicht anwesende Person ist keine Leistung der häuslichen Betreuung. In der Gesetzesbegründung zu § 36 SGB XI (Pflegesachleistung) heißt es: „Beaufsichtigung durch eine räumlich nicht anwesende Person, insbesondere durch eine Videoüberwachung, ist jedoch keine häusliche Betreuung.“ Die Fernüberwachung durch GPS-Ortungssysteme fällt demnach nicht in das Leistungsspektrum der Sozialen Pflegeversicherung Des Weiteren basieren GPS-Ortungssysteme auf einer Technik, die bereits in Gebrauchsgegenständen (z. B. Smartphones), enthalten ist.

Die Produktgruppe 52 "Pflegehilfsmittel zur selbstständigeren Lebensführung/Mobilität" sieht Hausnotrufsysteme vor, die beim Pflegebedürftigen in der häuslichen Umgebung zum Einsatz kommen können. Durch die aktive Einbeziehung des Pflegebedürftigen dienen diese Hausnotrufsysteme einer von der Pflegeperson nicht ständig überwachten Alltagsgestaltung und fördern damit wesentlich die Bereitschaft zur Pflege im häuslichen Bereich. Hausnotrufgeräte bestehen aus einer Basisstation und einem batteriebetriebenen Alarmsender (z. B. einem Funkfinger) mit einem Notrufknopf. Hausnotrufsysteme sind immer mit einer Hausnotrufzentrale verbunden, entweder über einen Festnetz- oder einen Mobilfunkanschluss.

Eine Versorgung mit Hausnotrufsystemen kommt dann in Betracht, wenn der Pflegebedürftige allein lebend oder über weite Teile des Tages allein lebend ist und jederzeit aufgrund des Krankheits- bzw. Pflegezustandes (z. B. Gleichgewichts- und Bewusstseinsstörungen, Herzanfälle, Fallneigung) mit dem Eintritt einer Notsituation zu rechnen ist, in der es dem Pflegebedürftigen nur mit Hilfe des Hausnotrufsystems (und nicht mit handelsüblichen Telefonen) möglich ist, einen Notruf abzusetzen. Der Anspruch besteht auch dann, wenn der Pflegebedürftige mit einer Person in häuslicher Gemeinschaft lebt, die jedoch aufgrund ihrer körperlichen oder geistigen Einschränkungen im Fall einer Notsituation nicht in der Lage ist, einen Hilferuf selbstständig abzusetzen.

Ziel beim Einsatz von Hausnotrufsystemen ist es, bei einem Notfall das Herbeirufen von medizinisch- pflegerischen Leistungen (z. B. Versorgung durch Pflegekräfte, Hausarzt, Angehörige oder Rufen eines Krankenwagens/Rettungsdienstes) für den häuslichen Bereich zu ermöglichen und sicherzustellen.

Die wichtigsten technischen Merkmale des Hausnotrufsystems sind u. a. die Freisprecheinrichtung, die Raumüberwachungsfunktion, die das „Hineinhören“ in den Raum ermöglicht und die eindeutige Identifizierung des Notrufgerätes gegenüber der Hausnotrufzentrale und ein Alarmsender. Der im Lieferumfang enthaltene, separate und jederzeit mitführbare wasserdichte Alarmsender ermöglicht, dass der Pflegebedürftige jederzeit und an jedem Ort in der Wohnung (u. a. beim Duschen) einen Notruf absetzen kann. Hausnotrufgeräte werden - vorzugsweise leihweise - als Zusatzgerät zu einem vorhandenen Telefon oder als Komplettsystem angeboten.

Hausnotrufsysteme, die auf der Mobilfunktechnologie beruhen, können dann in das Pflegehilfsmittelverzeichnis aufgenommen werden, wenn sie die Anforderungen, die an Hausnotrufsysteme gestellt werden, erfüllen. Für deren Einsatz muss festgestellt werden, dass eine Netzverfügbarkeit durch den jeweiligen Telekommunikationsanbieter und somit auch die Sprachqualität zum Zeitpunkt der Inbetriebnahme ausreichend sind.

Hausnotrufsysteme werden in Verbindung mit einer Hausnotrufzentrale betrieben, die eine Kommunikation mit den Pflegebedürftigen rund um die Uhr sichert. Der Pflegebedürftige stellt mit Knopfdruck auf den Alarmsender oder durch Drücken der Notruftaste am Hausnotrufgerät den Kontakt zur Hausnotrufzentrale her. Im Falle eines Sturzes kann der Alarm auch über einen Sturzsensor ausgelöst werden. Unmittelbar nach Auslösen des Notrufes am Hausnotrufgerät wird die Freisprecheinrichtung und die Raumüberwachungsfunktion zum „Hineinhören“ in den Raum aktiviert. Auch wenn der Pflegebedürftige selbst nicht sprechen kann, stellt die automatische Identifikation des Notrufes sicher, dass der Hausnotrufzentrale alle relevanten Informationen z. B. Krankheiten, Medikamente, behandelnder Arzt, zu benachrichtigende Personen, zur Verfügung stehen. Entsprechend dem Ergebnis der Situationsklärung werden von der Hausnotrufzentrale weitere vorher vereinbarte Maßnahmen (z. B. Anruf bei Nachbarn oder Angehörigen) veranlasst.

Für die Nutzung eines Hausnotrufsystems ist der Zugang zu einem Telefonnetz oder zum Internet erforderlich. Die Kosten für die Bereitstellung und den Betrieb dieses Zuganges, die Erstellung und Schaltung eines Telefonanschlusses, ggf. das Bereitstellen einer entsprechenden Telefondose oder eines Internetzuganges sowie die Folgekosten, hier die monatlichen Grundgebühren und die Kosten für die Gesprächseinheiten, fallen in den Bereich der Eigenverantwortung des Pflegebe-dürftigen und stellen keine Leistung der Pflegekasse dar.

Querverweise:
nicht besetzt


Änderungsdatum: 15.01.2018

Indikation

siehe Produktarten

Änderungsdatum: 15.01.2018

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