Sprungnavigation Tastaturkurzbefehle

Info zur Produktgruppe

Definition

Die Produktgruppe 03 „Applikationshilfen“ beinhaltet insbesondere folgende Hilfsmittel:

- Spritzen,
- Pens,
- Infusionspumpen,
- Spritzenpumpen,
- Irrigationssysteme,
- Gastrale Ernährungssonden,
- Ernährungspumpen und Zubehör.

Applikationshilfen und deren Zubehör dieser Produktgruppe dienen vorrangig der medizinisch erforderlichen subkutanen Arzneimittelapplikation sowie der medizinisch indizierten Applikation der parenteralen Ernährung und parenteralen Flüssigkeitssubstitution sowie der enteralen Ernährung. Des Weiteren werden Applikationshilfen zur rektalen Einleitung von Spülflüssigkeit in den Darm eingesetzt.

SPRITZEN
Spritzen sind Hilfsmittel, die vorrangig der subkutanen Applikation von flüssigen Arzneimitteln – auch mittels Spritzenpumpe - dienen. Außerdem werden sie bei der Zufuhr von enteraler und parenteraler Ernährung, zum Spülen von Ernährungssonden etc. eingesetzt. Daher weisen Spritzen verschiedene Ausführungsformen und Konstruktionsmerkmale auf.


PENS
Pens sind mehrfach verwendbare Injektionshilfen zur subkutanen Injektion in Form eines Füllfederhalters, in die befüllte Ampullen (Arzneimittelpatronen) eingesetzt werden. Die ärztlich angeordnete Dosis wird mittels eines Druck-/Drehknopfes eingestellt und durch Knopfdruck über die Pen-Kanüle (Pen-Nadel) in die Unterhaut (subkutan) injiziert. Bei Pen-Kanülen handelt es sich um Einmalprodukte, die nach erfolgter Injektion zu entsorgen sind.

PUMPEN ZUR INFUSIONS-/ARZNEIMITTELTHERAPIE
Pumpen zur Infusions-/Arzneimitteltherapie sind Hilfsmittel, die durch die Regulierbarkeit der Förderrate/Flussrate eine definierte und/oder kontinuierliche Förderrate/Flussrate im Rahmen der subkutanen Arzneimittelgabe in Beachtung der Fachinformation des jeweiligen, medizinisch erforderlichen Arzneimittels, der parenteralen Flüssigkeitssubstitution oder der parenteralen Ernährung ermöglichen. Sie werden mechanisch, hydraulisch, pneumatisch, chemisch oder elektromotorisch betrieben. Elektromotorische Infusionspumpen gibt es in netzunabhängigen Modellen. Netzunabhängige Infusionspumpen sind portable Geräte, die am Körper getragen werden können und der Versicherten oder dem Versicherten eine Mobilität ermöglichen. Einige Pumpenarten verfügen neben der Applikation von Basalraten über die Funktion zusätzlicher Bolusgaben.

a) Pumpen zur Infusions-/Arzneimitteltherapie (mechanisch, hydraulisch, pneumatisch, chemisch)
Pumpen zur Infusions-/Arzneimitteltherapie (mechanisch, hydraulisch, pneumatisch, chemisch) bestehen in der Regel aus einem Reservoir, das in der häuslichen Umgebung/im sonstigen privaten Umfeld der Versicherten oder des Versicherten befüllt wird. Der erforderliche Überdruck wird auf unterschiedliche Weise erzeugt, z. B. mit dem Befüllen des Reservoirs, durch einen Federmechanismus oder durch Gasdruck.

Die Pumpen haben in der Regel den Vorteil, dass sie klein, leicht und einfach in der Handhabung sind. Im Vergleich zu elektromotorischen Pumpen zur Infusions-/Arzneimitteltherapie ist das Volumen des Reservoirs der Pumpe relativ gering und die Einstellung der Förderraten in der Regel nur begrenzt möglich.

b) Pumpen zur Infusions-/Arzneimitteltherapie, elektromotorisch (netzabhängig und netzunabhängig)
Elektromotorische Pumpen zur Infusions-/Arzneimitteltherapie werden über einen Netzanschluss und/oder Akku betrieben. Sie verfügen in der Regel über ein großes Funktionsspektrum. Im Vergleich zu mechanischen, hydraulischen, pneumatischen oder chemischen Pumpen ist die Förderrate differenzierter einstellbar. Das Reservoir ist durch ein spezielles, für Pumpen geeignetes Schlauchsystem in der Regel über eine Luer-Lock-System-Verbindung direkt mit einer Kanüle/einem Katheter verbunden.


SPRITZENPUMPEN
Spritzenpumpen ermöglichen durch die Regulierbarkeit der Förderrate eine definierte, kontinuierliche subkutane Applikation von Arzneimitteln in Beachtung der Fachinformation des entsprechenden Arzneimittels. Sie sind elektromotorisch betrieben und verfügen teilweise über einen Akku, wodurch ein mobiler Einsatz ermöglicht wird. Als Arzneimittelreservoir dienen Spritzen, die für die jeweiligen Spritzenpumpe entsprechend der Herstellerangaben ausgewiesen sind. Diese Spritzen werden in der häuslichen Umgebung/im sonstigen privaten Umfeld der Versicherten oder des Versicherten mit dem entsprechenden Arzneimittel befüllt.

Die Zufuhr des Arzneimittels erfolgt einerseits kontinuierlich in Form einer Grundrate (der sogenannten Basalrate), andererseits bedarfsabhängig in Form von Bolusgaben. Mit programmierbaren Pumpen kann die Basalrate nach einem wählbaren Profil vorgegeben werden. Dies erleichtert die Anpassung an tageszeitabhängige Schwankungen des Basisbedarfs.

IRRIGATIONSSYSTEME
Bei Irrigationssystemen handelt es sich um schwerkraftabhängige, pumpenabhängige, elektrische oder mit einem Akku betriebene Irrigationssysteme zur rektalen Einleitung von Spülflüssigkeit in den Mastdarm, um eine Darmentleerung zu erreichen.


GASTRALE ERNÄHRUNGSSONDEN

TRANSNASALE ERNÄHRUNGSONDEN
Transnasale Ernährungssonden bestehen in der Regel aus dünnlumigen Kunststoffschläuchen und dienen der Verabreichung von Sondennahrung in den Magen (gastral).


PERKUTANE AUSTAUSCHSONDEN ZUR ENTERALEN ERNÄHRUNG
Perkutane Austauschsonden dienen dem selbständigen Austausch durch die Versicherte oder den Versicherten oder von anderen medizinischen Laien einer im Rahmen der perkutanen endoskopischen Gastrostomie (PEG) angelegten PEG-Sonde. Voraussetzung für eine Austauschsonde ist, dass das Gastrostoma ausgeheilt ist. Die perkutanen Austauschsonden gibt es in Form von Buttons und Gastrotubes. Sie dienen der Verabreichung von Sondennahrung in den Magen (gastral).

ERNÄHRUNGSPUMPEN
Ernährungspumpen ermöglichen durch die Regulierbarkeit der Förderrate eine kontinuierliche, intermittierende oder variable Applikation von Sondennahrung über eine gastrale Ernährungssonde in den Magen. Sie werden unterschieden in netzabhängige und netzunabhängige Pumpen.

Die enterale Ernährung mithilfe einer Ernährungspumpe über eine Ernährungssonde in den Magen ist in der Regel dann erforderlich, wenn andere Formen der Applikation der enteralen Ernährung wie z. B. Spritzen oder Schwerkraft nicht möglich oder nicht ausreichend sind.


LEISTUNGSRECHTLICHE HINWEISE
Die Produkte der Produktgruppe 03 „Applikationshilfen“ sind Hilfsmittel im Sinne § 33 SGB V, die in der häuslichen Umgebung/im sonstigen privaten Umfeld der Versicherten oder des Versicherten funktionsgerecht, sicher sowie indikations- und einsatzgerecht abgegeben und gebraucht werden können. Diese Hilfsmittel dürfen gemäß den Herstellerangaben von der Versicherten oder dem Versicherten eigenständig oder von anderen medizinischen Laien bedient und genutzt werden.

Demgegenüber sind Produkte, die im Rahmen einer ambulant ärztlichen Versorgung, stationären Versorgung oder Notfallversorgung (Rettungsdienst) abgegeben und eingesetzt werden, sind nicht als Hilfsmittel gemäß § 33 SGB V anzusehen. Dies gilt auch für Produkte, die Bestandteil einer ärztlichen Leistung sind und als solche abgerechnet werden können.

Implantate sind nicht den Hilfsmitteln gemäß § 33 SGB V zuzuordnen und können daher nicht im Hilfsmittelverzeichnis gemäß § 139 SGB V berücksichtigt werden.

Vorgefüllte Produkte wie Fertigspritzen, Pens, Arzneimittelpatronen für Pens oder Pumpen sind keine Hilfsmittel im Sinne des § 33 SGB V, sondern gegebenenfalls als Arzneimittel nach § 31 SGB V zu beurteilen. Bei den im Hilfsmittelverzeichnis enthaltenen Produkten wie Spritzen, Pens, Pumpen und Behältnisse (Beuteln/Containern) handelt es sich hingegen um unbefüllte Produkte, die in der häuslichen Umgebung/im sonstigen privaten Umfeld der Versicherten oder des Versicherten mit den dafür zugelassenen Arzneimitteln in der häuslichen Umgebung/im sonstigen privaten Umfeld befüllbar sein müssen. Ebenso müssen diese für die zugelassenen Arzneimittel gemäß § 11a „Fachinformation“ des Gesetzes über den Verkehr mit Arzneimitteln (Arzneimittelgesetz-AMG) zugelassen sein. In diesen Fachinformationen der Arzneimittelhersteller ist die jeweilige Indikation, die Art der Applikation, das Hilfsmittel und ob die Applikation in der häuslichen Umgebung/im sonstigen privaten Umfeld der Versicherten oder des Versicherten zugelassen ist, angegeben.

Des Weiteren sind Produkte, die als allgemeine Gebrauchsgegenstände des täglichen Lebens anzusehen sind wie z. B. Mörser, Tablettenzerteiler, Tablettenspender, Aufbewahrungs- und Kühlbehältnissen für Arzneimittel keine Hilfsmittel im Sinne des § 33 SGB V.

Die Versorgung der Versicherten oder des Versicherten mit einer netzunabhängigen (mobilen) und einer netzabhängigen (stationären) Pumpe (Doppelversorgung) kommt in der Regel nicht zu Lasten der gesetzlichen Krankenversicherung in Betracht.


Querverweise:
Produktgruppe 09 „Elektrostimulationsgeräte“: Leitungswasseriontophoresegeräte zur Behandlung von Hyperhidrosis
Produktgruppe 12 „Hilfsmittel bei Tracheostoma und Laryngektomie“: Verbrauchsmaterial
Produktgruppe 14 „Inhalations- und Atemtherapiegeräte“: Inhalationsgeräte
Produktgruppe 29 „Stomaartikel“: Irrigatoren für Stomaträger
Produktgruppe 30 „Hilfsmittel zum Glukosemanagement“


Änderungsdatum: 09.05.2023

Indikation

Die Indikationen sind den Produktarten der jeweiligen Produktuntergruppe zu entnehmen.


Änderungsdatum: 09.05.2023

zurück zur Systematik der Produktgruppen

Tastaturkurzbefehle