Info zur Produktgruppe
Definition
Orthesen dieser Produktgruppe sind Hilfsmittel, die zur Ruhigstellung, Stabilisation, Führung, Korrektur, Entlastung oder zur Funktionsunterstützung von Körperteilen, insbesondere von Gelenken und Gliedmaßen, eingesetzt werden.
WIRKPRINZIPIEN
Orthesen dieser Produktgruppe weisen folgende Wirkprinzipien, einzeln oder in unterschiedlichen Kombinationen, auf:
Ruhigstellung
Lagerung und Fixation eines Körperabschnittes in definierter beziehungsweise einstellbarer Position, durch die der Bewegungsumfang vollständig, oder teilweise begrenzt wird.
Stabilisation
Gezielte Sicherung und Unterstützung instabiler Strukturen in den Raumebenen, um physiologische oder therapiegerechte Bewegungsumfänge und einen korrekten Bewegungsablauf sicherzustellen.
Führung
Gezielte Lenkung und Begleitung der Gelenkbewegung in den Raumebenen, um physiologische oder therapiegerechte Bewegungsumfänge und einen korrekten Bewegungsablauf sicherzustellen.
Korrektur
Dynamische Korrektur:
Kontrollierte Rückführung von Fehlstellungen oder Deformitäten in eine physiologische Position (Redression oder Quengelung)
Statische Korrektur:
Halten in korrigierter beziehungsweise überkorrigierter Position (Retention).
Entlastung
Reduktion der Belastung beziehungsweise vollständige Entlastung von Körperabschnitten durch Kraft-, Druck- oder Zugumverteilung auf belastbare Körperstrukturen.
Funktionsunterstützung
Biomechanische, Bewegungsteuerung auf den Prozess des Gehens. Die Auswahl geeigneter Materialien und Konstruktionen ermöglicht die Unterstützung defizitärer und funktionsarmer Körperabschnitte.
ORTHESENARTEN
Orthesen werden in verschiedenen Ausführungen und Arten angeboten, darunter konfektionierte oder teilkonfektionierte Orthesen und Orthesen in Sonderanfertigung.
Konfektionierte Orthesen
Diese Orthesen sind industriell vorgefertigte Standardprodukte, welche in vorgegebenen Größen und Formen erhältlich sind.
Teilkonfektionierte Orthesen
Diese Orthesen kombinieren industriell gefertigte konfektionierte Elemente mit individuell anpassbaren Komponenten, die an die speziellen Anforderungen der Versicherten angepasst werden können.
Orthesen in Sonderanfertigung
Diese Orthesen werden vom Leistungserbringer individuell nach den spezifischen anatomischen und funktionalen Anforderungen und Maßen der Versicherten entworfen und hergestellt. Eine Verwendung von zum Teil vorgefertigten Komponenten ist möglich.
Alle Orthesen in Sonderanfertigung werden grundsätzlich nach individuellem, dreidimensionalem Formabdruck oder auf Basis anderer vergleichbarer dreidimensionaler Formerfassung (3D-Scan) gefertigt. Durch den Leistungserbringer werden Orthesen in Sonderanfertigung als solche gekennzeichnet.
Gemäß Medizinprodukteverordnung 2017 / 745 (MDR) wird Sonderanfertigung wie folgt definiert:
„Sonderanfertigung bezeichnet ein Produkt, das speziell gemäß einer schriftlichen Verordnung einer aufgrund ihrer beruflichen Qualifikation nach den nationalen Rechtsvorschriften zur Ausstellung von Verordnungen berechtigten Person angefertigt wird, die eigenverantwortlich die genaue Auslegung und die Merkmale des Produkts festlegt, das nur für einen einzigen Patienten bestimmt ist, um ausschließlich dessen individuelle Zustand und dessen individuellen Bedürfnissen zu entsprechen.
Serienmäßig hergestellte Produkte, die angepasst werden müssen, um den spezifischen Anforderungen eines berufsmäßigen Anwenders zu entsprechen, und Produkte, die gemäß den schriftlichen Verordnungen einer dazu berechtigten Person serienmäßig in industriellen Verfahren hergestellt werden, gelten jedoch nicht als Sonderanfertigungen“.
MATERIALIEN
Die Wahl des Materials hängt von den spezifischen Anforderungen der Orthese ab, einschließlich Festigkeit, Flexibilität und Gewicht.
Als Materialien werden bei Orthesen in Sonderanfertigung in der Regel Leder, thermoplastisch verformbare Kunststoffe, Faserverbundwerkstoffe, Elastomere, Metalle oder textile Gewebe eingesetzt. Diese können, je nach Anforderung, zusätzlich mit Stabilisationselementen - zum Beispiel aus Metall oder Kunststoffen - verstärkt werden.
Den Materialien können grundsätzlich folgende Eigenschaften entsprechend einer festen Nummerierung auf Ebene der Produktarten zugeordnet werden:
(0) Leder
Verwendung: Orthesenformteile, Fütterungen, Bezüge
(1) Thermoplastisch verformbare Kunststoffe in unterschiedlichen Shorehärten (zum Beispiel Polypropylen (PP), Polyethylen (PE), Polycarbonat (PC), Acrylnitril-Butadien-Styrol (ABS), Polyamid (PA), Acrylester-Styrol-Acrylnitril (ASA))
Verwendung: Korsette, Orthesenformteile
(2) Faserverbundwerkstoffe (zum Beispiel Carbon-, Glasfaser-, Kevelaer-Komposite)
Verwendung: Orthesenformteile, Funktionselemente (Federn)
(3) Elastomere in unterschiedlichen Shorehärten (zum Beispiel aus Silikon, Polyurethan, Neopren)
Verwendung: Orthesenformteile, dynamische Orthesen
(4) Metall (zum Beispiel Aluminium(-legierungen), Edelstahl)
Verwendung: Schienen, Schellen, Funktionselemente (Orthesengelenke)
(5) Textile Gewebe (zum Beispiel aus Nylon, Microfaser)
Verwendung: Mieder, Verschlusssysteme
FERTIGUNGSVERFAHREN
Tiefzieh-Verfahren
Dieses Verfahren ermöglicht die Herstellung von Orthesen, in dem ein thermoplastisch verformbarer Kunststoff, in der Regel eine Kunststoffplatte erhitzt und um ein vorbereitetes Modell gelegt und mit Vakuum oder Druck angeformt wird. Hierdurch liegt diese eng an und kühlt in der gewünschten Form ab. Die so gefertigten Formteile können im Anschluss weiter zugeschnitten und gegebenenfalls durch weitere Komponenten, in Form von Polsterungen oder Ähnlichem, ergänzt werden. Dieses Verfahren dient der Konstruktion von stabilen und nachpassbaren Orthesenformteilen.
Gießverfahren
Dieses Verfahren ermöglicht die Herstellung von Orthesen, in dem zugeschnittenen Faserverbundwerkstoffe schichtweise auf ein vorbereitetes Modell aufgebracht werden. Nach dem Auftragen werden die Gewebe mit einem Harzgemisch getränkt und härten unter Vakuum aus und werden somit formstabil. Die so gefertigten Formteile können im Anschluss weiter zugeschnitten und gegebenenfalls durch weitere Komponenten, in Form von Polsterungen oder Ähnlichem, ergänzt werden. Dieses Verfahren dient der Konstruktion von dünnwandigen, leichten, stabilen und formgenauen Orthesenformteilen.
Pre-Preg-Verfahren
Dieses Verfahren ermöglicht die Herstellung von Orthesen, in welchem zugeschnittene vorimprägnierte Fasergewebe schichtweise auf ein vorbereitetes Modell aufgebracht werden. Nach dem Auftragen werden die Schichten unter Vakuum in einem Ofen oder einem Autoklav erhitzt, sodass das Material aushärtet und somit formstabil wird. Die so gefertigten Formteile können im Anschluss weiter zugeschnitten und gegebenenfalls durch weitere Komponenten, in Form von Polsterungen oder Ähnlichem, ergänzt werden. Dieses Verfahren dient der Konstruktion von dünnwandigen, stabilen und formgenauen Orthesenformteilen in Leichtbauweise.
Additive Fertigungsverfahren
Dieses Verfahren ermöglicht die Herstellung von Orthesen, einzelner Teilkomponenten und Prototypen durch schichtweises Hinzufügen oder Verschmelzen von Material, auf Basis digitaler 3D-Modelle. Diese additiven Fertigungen können sein:
Extrusionsverfahren:
Dieses Verfahren ermöglicht die Herstellung von Orthesen durch schichtweises Hinzufügen von Material, auf Basis digitaler 3D-Modelle. Es ermöglicht eine Individualisierung und komplexe Geometrien.
Pulverbasiertes Verfahren:
Dieses Verfahren ermöglicht die Herstellung von Orthesen durch das Verschmelzen von Pulvermaterial schichtweises Hinzufügen von Material auf Basis digitaler 3D-Modelle. Es ermöglicht eine Individualisierung und komplexe Geometrien.
ELEMENTE
Druckelemente
Druckelemente sind am Produkt vorhandene Pelotten oder Polsterungen, welche in bestimmten Bereichen einen zusätzlichen Druck auf den Körper ausüben.
Zugelemente
Zugelemente sind am Produkt zusätzlich zu regulären Verschlüssen, welche ausschließlich die Fixierung der Orthese am jeweiligen Körperteil ermöglichen, vorhandene Gurte oder vergleichbare Elemente, welche beispielsweise die Korrekturwirkung verstärken können.
Stabilisationselemente
Stabilisationselemente sind aufgrund ihrer rigiden oder teilrigiden Eigenschaft lastaufnehmend und kraftübertragend.
Rigide Stabilisationselemente sind starre, feste, unflexible Elemente, die zur Stabilisation eines Körperabschnittes verwendet werden. Diese Elemente bieten festen Halt und verhindern Bewegungen oder Verformungen. Sie sind unflexibel und sorgen dafür, dass die Bereiche stabil bleiben und keine ungewollten Bewegungen zugelassen werden.
Teilrigide Stabilisationselemente sind Elemente, die eine gewisse Flexibilität bieten, während sie gleichzeitig eine Stabilisation ermöglichen. Im Gegensatz zu rigiden Stabilisationselementen erlauben teilrigide Elemente eine begrenzte Bewegung eines Körperabschnittes und führen diesen in die Ausgangsstellung zurück.
Funktionselemente
Funktionselemente sind Gelenke, Scharniere, Federelemente oder Bauteile mit vergleichbaren Eigenschaften, welche fest oder herausnehmbar in der Orthese integriert sind. Diese Elemente ermöglichen eine freie Beweglichkeit des Gelenks mit definiertem Bewegungsumfang, eine gezielte, dem Krankheitsverlauf anpassbare Bewegungsbegrenzung oder eine gelenkdynamisierende Funktion (statische oder dynamische Korrektur (Redression)).
Orthesengelenk- und Schienensysteme weisen folgende Merkmale auf:
beweglich:
Die Gelenke sind frei beweglich und ermöglichen gegebenenfalls einen Extensions- und Flexionsanschlag zur Gelenkführung.
sperrbar:
Die Gelenke sind frei beweglich, beinhalten jedoch eine manuelle oder elektromechanisch betriebene Gelenksperre, die das Gelenk während der Belastungsphase zur Stabilisation und zur Stützung in einer bestimmten Position sperrt und bei Bedarf, zum Beispiel zum Hinsetzen, löst und somit die Gelenkfunktion freigibt.
einstellbar:
Die Gelenke können zur gezielten Bewegungsbegrenzung, je nach Anforderung, von gesperrt bis frei eingestellt werden. Dies kann in mehreren Schritten zur Erweiterung des Bewegungsumfangs erfolgen.
einstellbar, elektromechanisch oder hydraulisch:
Die Gelenke werden in der Regel mikroprozessorgesteuert geregelt. Eine Gehfunktion wird durch situations- oder lastabhängige Ansteuerung von Dämpfungselementen und Einheiten (Schwungphasensteuerung) sowie gegebenenfalls einer mechanischen Absicherung (Standphasensicherung) ermöglicht.
dynamisch korrigierend:
Die Gelenke sind frei beweglich und korrigieren Fehlstellungen durch einen individuell einstellbaren Widerstand. Durch diesen wird der Körperabschnitt zur Erweiterung des Bewegungsumfangs in eine bestimmte Richtung gelenkt, ohne die natürliche Bewegungsfreiheit des betroffenen Gelenks übermäßig einzuschränken. Die Wirkung variiert je nach Belastung und Bewegungsphase, wodurch einer Kontraktur entgegengewirkt werden kann.
statisch korrigierend:
Die Gelenke sind einstellbar und ermöglichen bei Fehlstellung bewegungseingeschränkter Gelenke eine Korrektur (Retention) der Gelenkstellung durch eine andauernde Kraft auf das betroffene Gelenk in einer bestimmten Richtung. Auf diese Weise kann einer Kontraktur entgegengewirkt werden.
ERLÄUTERUNG VERWENDETER FACHTERMINI
Definierte Position
Eine definierte Position bezeichnet die feste Vorgabe der Position des jeweiligen Körperteils durch die Orthese, beispielweise die Ruhigstellung in der Neutral-Null-Position.
Regulierbar
Der Sitz der Orthese kann durch Zugelemente eingestellt werden und ist somit durch den Anwender selbst regulierbar.
Einstellbar
Durch den Hersteller vorgegebene Einstellungsmöglichkeiten am Produkt, beispielweise Winkeleinstellungen durch ein Gelenk, Gelenkkeile oder vergleichbare Elemente.
Shorehärte
Ist eine Kennzahl zur Bestimmung der Werkstoffhärte.
Drei-Punkt-Prinzip
Das Drei-Punkt-Prinzip wird in der Regel zur Korrektur von Achsendeformitäten benutzt. Das Prinzip beruht auf einer Dreipunktabstützung mit zwei Abstützpunkten mit langem Hebel proximal und distal, beziehungsweise cranial und kaudal, des zu korrigierenden Achsenscheitels. Der jeweilige im Zentrum liegende einseitig angebrachte dritte Abstützpunkt liegt auf der Konvexität der Krümmung.
Vier-Punkt -Prinzip
Bei einem Vier-Punkt-Prinzip handelt es sich um ein sogenanntes überlagertes Drei-Punkt-Prinzip mit vier Druckpunkten.
Liegen die Druckpunkte direkt gegenüber, bilden sich zwei gegenüberliegende Kraftpaare, die eine ruhigstellende und stabilisierende Wirkung erzielen können.
Liegen die Druckpunkte versetzt gegenüber, bilden sich zwei gegensätzliche Kraftpaare, die zusätzlich eine korrigierende Wirkung erzielen können.
Formteile
Orthesen bestehen aus
Formteilen, die geschlossen oder gefenstert gearbeitet sein können. Diese Formteile sind körperteilumschließend oder umgreifend und werden mittels geeigneter Verschlusssysteme am Körper fixiert.
Die Formteile gelenkübergreifender Orthesen werden entsprechend den funktionellen Anforderungen durch uni- oder bilaterale Gelenk- oder Schienensysteme miteinander verbunden. Durch die Schienensysteme ergibt sich die konkrete Funktion der Orthese.
ABKÜRZUNGEN FÜR ORTHESEN GEMÄß INTERNATIONALER KLASSIFIZIERUNG (ICS) UND NORM ISO 8549-3-2020
Orthesen werden im Rahmen des internationalen Klassifizierungssystems (ICS) der Internationalen Organisation für Normung (ISO) klassifiziert, um eine einheitliche Terminologie und Kategorisierung zu gewährleisten. Dies umfasst verschiedene Arten von Orthesen für unterschiedliche medizinische und therapeutische Anwendungen und ermöglicht eine bessere Kommunikation und den Austausch von Informationen über orthopädische Hilfsmittel weltweit.
ORTHESEN DER UNTEREN EXTREMITÄT
Zehen-Orthesen (TO - "toe orthosis"): Orthesen, die die Zehen umschließen.
Fuß-Orthesen (FO - "foot orthosis"): Orthesen, die den ganzen oder einen Teil des Fußes umschließen.
Sprunggelenk-Fuß-Orthesen (AFO - "ankle-foot orthosis"): Orthesen, die das Sprunggelenk und den ganzen oder einen Teil des Fußes umschließen.
Knie-Orthesen (KO - "knee orthosis"): Orthesen, die das Kniegelenk umschließen.
Knie-Sprunggelenk-Fuß-Orthesen (KAFO - "knee-ankle-foot orthosis"): Orthesen, die das Knie- und Sprunggelenk sowie den Fuß umschließen.
Hüft-Knie-Sprunggelenk-Fuß-Orthese (HKAFO - "hip-knee-ankle orthosis"): Orthesen, die die Hüft-, Knie- und Sprunggelenke sowie den Fuß umschließen.
Hüft-Orthesen (HO - "hip orthosis"): Orthesen, die das Hüftgelenk umschließen.
ORTHESEN DER OBEREN EXTREMITÄT:
Finger-Orthesen (FO - "finger orthosis"): Orthesen, die den ganzen oder einen Teil eines Fingers umschließen.
Daumen-Orthesen (TO - "thumb orthosis"): Orthesen, die den ganzen oder einen Teil des Daumens umschließen.
Hand-Orthesen (HO - "hand orthosis"): Orthesen, die die ganze oder einen Teil der Hand umschließen.
Handgelenk-Hand-Orthesen (WHO - "wrist-hand orthosis"): Orthesen, die das Handgelenk und die Hand umschließen.
Ellenbogen-Orthesen (EO - "ellbow orthosis"): Orthesen, die das Ellbogengelenk umschließen.
Ellenbogen-Handgelenk-Hand-Orthesen (EWHO - "ellbow-wrist-hand orthosis"): Orthesen, die den Ellbogen, das Handgelenk und die Hand umschließen.
Schulter-Orthesen (SO - "shoulder orthosis"): Orthesen, die das Schultergelenk umschließen.
Schulter-Ellenbogen-Orthesen (SEO - "shoulder ellbow orthosis"): Orthesen, die die Schulter und das Ellbogengelenk umschließen.
ORTHESEN DER WIRBELSÄULE
Cervical-Orthesen (CO - "cervical orthosis"): Orthesen, die die gesamte oder einen Teil der Halswirbelsäule, einschließlich des Atlantookzipitalgelenks, umschließen.
Cervical-Thorax-Orthesen (CTO - "cervico-thoracic orthosis"): Orthesen, die die gesamte oder einen Teil der Hals- und Brustwirbelsäulenregion, einschließlich des Atlantookzipitalgelenks, umschließen.
Ileo-Sacral-Orthesen (SO - "sacro-iliac orthosis"): Orthesen, die den gesamten oder einen Teil der Iliosakralbereiche des Rumpfes umschließen.
Thorax-Orthesen (TO - "thoracic orthosis"): Orthesen, die den gesamten oder einen Teil des Thoraxbereichs des Rumpfes umschließen.
Lumbal-Sacral-Orthesen (LSO - "lumbo-sacral orthosis"): Orthesen, die die gesamte oder einen Teil der Lendenwirbelsäule und der Iliosakralregion des Rumpfes umschließen.
Thorax-Lumbal-Sacral-Orthesen (TLSO - "thoraco-lumbo-sacral orthosis"): Orthesen, die die gesamte oder einen Teil der Brust-, Lenden- und Iliosakralregion des Rumpfes umschließen.
Cervical-Thorax-Lumbal-Sacral-Orthesen (CTLSO - "cervico-thoraco-lumbo-sacral orthosis"): Orthesen, die die gesamte oder einen Teil der Halswirbelsäule, der Brustwirbelsäule, der Lendenwirbelsäule und des Iliosakralgelenks, einschließlich des Atlantookzipitalgelenks, umschließen.
LEISTUNGSRECHTLICHE HINWEISE
Der Einsatz von Orthesen ausschließlich aus prophylaktischen Gründen, beispielsweise zum Schutz vor Verletzungen bei sportlicher oder beruflicher Betätigung, fällt in die Eigenverantwortung der Versicherten; eine Kostenübernahme zu Lasten der gesetzlichen Krankenversicherung ist nicht möglich.
Sollten die individuellen anatomischen Gegebenheiten und funktionellen Erfordernisse der Versicherten eine Versorgung mit konfektionierten oder teilkonfektionierten Orthesen nicht zulassen, so ist eine Sonderanfertigung der Orthese erforderlich.
Gemäß § 34 Abs. 4 SGB V sind einige Orthesen durch Rechtsverordnung (Verordnung über Hilfsmittel von geringem therapeutischen Nutzen oder geringem Abgabepreis in der gesetzlichen Krankenversicherung (KVHilfsmV; Stand 17.1.1995)) von der Versorgung im Rahmen der gesetzlichen Krankenversicherung ausgeschlossen. Unter anderem sind dies:
Druckschutzpolster und Zehen- und Ballenpolster, Zehenspreizer, Handgelenkriemen, Handgelenkmanschetten; auch wenn diese Produkte umgangssprachlich als Orthesen bezeichnet werden.
Danach sind auch die in Orthesen optional integrierbare Applikationshilfen für Wärme und Kälte ebenfalls von der Leistungspflicht der gesetzlichen Krankenversicherung ausgeschlossen, da diese einen geringen oder umstrittenen therapeutischen Nutzen aufweisen.
Gelenkübergreifende und fixierende Produkte, wie zum Beispiel Fixakteur externe, werden nicht den Orthesen zugeordnet. Diese Produkte werden mit dem Knochen verbunden und verbleiben für eine definierte Zeit zur Sicherung einer Behandlung untrennbar am Körper. Dabei ragen die im Knochen fixierten Elemente aus der Haut heraus. An ihnen werden dann die stabilisierenden und überbrückenden Elemente befestigt. Diese oder ähnliche Produkte werden im Rahmen von Krankenhausentgelten oder vertraglichen Vereinbarungen zwischen Ärzten, Krankenhäusern und den Krankenkassen leistungsrechtlich zugeordnet und vergütet.
Querverweise:
Produktgruppe: 05 - Bandagen, Produktgruppe: 09 - Elektrostimulationsgeräte, Produktgruppe: 20 - Lagerungshilfen und Produktgruppe: 31 - Schuhe
Änderungsdatum: 02.12.2025
Indikation
Es wird auf die in den Produktarten aufgeführten Indikationen sowie Ausführungen zu den Einzelprodukten in den Produktmerkmalen verwiesen.
Änderungsdatum: 02.12.2025